Gruppen- und PartyspieleRatgeber

Reise nach Jerusalem: Regeln, Ablauf und Varianten

Bei der Reise nach Jerusalem steht ein Stuhl weniger bereit, als Leute mitspielen. Solange Musik läuft, gehen alle um die Stühle; stoppt sie, setzt sich jeder schnell hin. Wer keinen Platz findet, scheidet aus, dann kommt ein Stuhl weg, bis im Finale zwei Spieler um den letzten Stuhl laufen.

Ein Kreis aus Holzstühlen mit den Sitzflächen nach außen in einem hellen Wohnzimmer mit bunten Girlanden
Bild: KI-generiert

Die Reise nach Jerusalem ist ein Bewegungsspiel für beliebig viele Leute, an dessen Ende genau ein Gewinner steht. Man kann es auch als Kinderspiel spielen [1], etwa auf einem Kindergeburtstag. Ihr braucht nur Stühle, Musik und jemanden, der die Musik bedient. Ein offizielles Regelheft gibt es für dieses Volksspiel nicht. Streitfälle legt ihr deshalb am besten vor der ersten Runde fest.

Was ihr braucht

Ihr stellt immer einen Stuhl weniger auf, als Leute mitspielen [1]. Bei acht Spielern sind es also sieben Stühle. Dazu kommt eine Musikquelle, die sich schnell anhalten lässt, und eine Spielleitung, die selbst nicht mitläuft [1]. Am besten eignen sich stabile Stühle ohne Armlehnen, die nicht kippen, wenn sich jemand schwungvoll daraufsetzt.

Sieben stabile Holzstühle ohne Armlehnen im Kreis auf einem Teppich, daneben ein kleiner Lautsprecher
Bild: KI-generiert

Die Stühle stehen meist im Kreis [1]. Viele stellen sie mit der Sitzfläche nach außen auf, damit man sich von der Laufbahn aus direkt hinsetzen kann. Bei vielen Spielern geht auch eine lange Doppelreihe, bei der je zwei Stühle Rücken an Rücken stehen. Rund um die Stühle muss so viel Platz frei bleiben, dass alle bequem laufen können, ohne an Tischkanten oder Schränke zu stoßen.

So läuft eine Runde ab

Eine Partie besteht aus mehreren kurzen Runden. In jeder Runde scheidet eine Person aus, und ein Stuhl verschwindet [1].

Laufen, solange die Musik spielt

Die Spielleitung startet die Musik. Alle laufen oder tanzen im Kreis um die Stühle herum [1]. Üblich ist, dass alle in dieselbe Richtung gehen und die Hände während der Musik von den Stühlen lassen. Wer stehen bleibt oder sich an einem Stuhl festhält, verschafft sich einen Vorteil. Sprecht deshalb vorher ab, ob das erlaubt ist.

Musik aus, hinsetzen

Ohne Vorwarnung hält die Spielleitung die Musik an. Jetzt setzt sich jeder so schnell wie möglich auf einen freien Stuhl [1]. Weil ein Stuhl fehlt, bleibt eine Person übrig. Sie scheidet aus [1]. Danach nimmt die Spielleitung einen Stuhl aus dem Kreis, und die nächste Runde beginnt [1].

Das Finale

Das Spiel geht so weiter, bis nur noch zwei Spieler und ein Stuhl übrig sind [1]. Wer im Finale beim letzten Musikstopp sitzt, gewinnt. Gerade diese Runde lebt davon, dass die Pause völlig überraschend kommt. Die Spielleitung kann die Musik hier ruhig ein wenig länger laufen lassen.

Kleine und große Gruppen

Weil in jeder Runde genau eine Person ausscheidet, braucht eine Partie immer eine Runde weniger, als Leute mitspielen. Bei sechs Spielern sind es fünf Runden, bei zwanzig schon neunzehn. Mit vielen Leuten dauert das lange, und wer früh ausscheidet, wartet ewig. Teilt große Gruppen deshalb in zwei oder drei Kreise auf, die gleichzeitig spielen. Die Sieger der Kreise treffen sich danach in einem gemeinsamen Finale mit einem Stuhl weniger.

In kleinen Runden mit drei oder vier Spielern ist die Partie schnell vorbei. Spielt dann mehrere Durchgänge hintereinander und zählt, wer am häufigsten gewonnen hat. Wer in einem Durchgang zuerst ausscheidet, darf im nächsten die Musik bedienen. So kommt jeder einmal an die Reihe, und die Spielleitung wechselt von selbst.

Kinder und Erwachsene spielen am besten in getrennten Runden. Erwachsene sind schneller und größer, und im Gedränge können sich die Kleinen verletzen. Lasst die Erwachsenen eine eigene Runde spielen oder probiert gemeinsam eine der Varianten ohne Ausscheiden aus.

Streitfälle fair entscheiden

Weil es kein verbindliches Regelwerk gibt, entscheidet bei Unklarheiten die Spielleitung. Damit es keinen Ärger gibt, legt ihr diese Punkte vor der ersten Runde fest. Die folgenden Vorschläge sind eigene Empfehlungen ohne Quelle:

  • Setzen sich zwei gleichzeitig auf denselben Stuhl, bleibt die Person, die zuerst die Sitzfläche berührt hat. Ist das nicht zu erkennen, gibt es eine kurze Stichrunde mit nur diesen beiden und einem Stuhl.
  • Wer sich schon hinsetzt, während die Musik noch läuft, scheidet aus. Bei jüngeren Mitspielern reicht beim ersten Mal eine Verwarnung.
  • Schubsen, Wegziehen von Stühlen und Festklammern sind tabu. Wer das tut, scheidet aus.
  • Ein Stuhl gilt erst als besetzt, wenn jemand darauf sitzt. Ein Knie oder eine Hand auf der Sitzfläche zählt nicht.

Die Spielleitung sollte beim Anhalten nicht auf die Läufer schauen. Wer die Musik mit dem Rücken zum Kreis stoppt, kann niemanden bevorzugen, auch nicht ungewollt. Hilfreich ist eine zweite Person, die nur auf den Kreis achtet und im Zweifel entscheidet, wer zuerst saß.

Tipps für Spielleitung und Sicherheit

Die Spannung entsteht durch die Pausen. Lasst die Musik mal nur wenige Sekunden laufen, mal deutlich länger. Wer immer im gleichen Takt stoppt, macht das Spiel berechenbar. Lieder mit klarem Rhythmus treiben die Läufer an. Für Kinder eignen sich bekannte Kinderlieder, für Erwachsene Partylieder, bei denen alle mitsingen.

Lachende Erwachsene laufen bei einem Gartenfest um einen Stuhlkreis, eine Frau greift nach einem Stuhl
Bild: KI-generiert

Beim Hinsetzen geht es eng zu. Räumt deshalb Glastische, Vasen und Kabel aus dem Weg. Auf glattem Boden rutschen Stühle leicht weg; ein Teppich oder rutschfeste Unterlagen unter den Stuhlbeinen helfen. Spielt nicht in Socken auf Fliesen oder Parkett. Turnschuhe oder barfuß geht besser.

Ausscheiden kann jüngere Kinder schnell frustrieren. Gebt den Ausgeschiedenen eine Aufgabe: Sie helfen beim Wegtragen der Stühle, übernehmen die Musik oder achten als Schiedsrichter darauf, wer zuerst saß. So bleiben sie Teil der Runde. Auf einem Kindergeburtstag bekommt am besten jedes Kind am Ende eine Kleinigkeit, auch wer früh ausgeschieden ist.

Varianten mit und ohne Ausscheiden

Die Grundidee lässt sich leicht abwandeln. Einige Varianten sind so verbreitet, dass sie eigene Namen haben [1].

Mehrere nackte Füße stehen auf großen grauen Papierbögen, die auf einem Holzboden ausgelegt sind
Bild: KI-generiert

Varianten, bei denen alle bleiben

Bei der Reise nach Jericho fliegt nach jeder Runde ebenfalls ein Stuhl raus, aber niemand scheidet aus. Alle müssen sich gemeinsam auf die übrigen Stühle stellen. Ziel ist, am Ende die ganze Gruppe auf einem einzigen Stuhl zu versammeln [1]. Weil dabei Leute auf Stühlen stehen, eignet sich diese Form eher für ältere Kinder und Erwachsene mit sehr stabilen Stühlen.

Die Reise nach Bilbao dreht das Prinzip um. Nach jeder Musikpause kommt ein Stuhl hinzu. Die Gruppe muss alle Stühle besetzen, notfalls im Liegen oder durch Stapeln. Stapelt nur sehr stabile Stühle und bei Kindern besser gar nicht. Verloren ist das Spiel, sobald nicht mehr alle Stühle berührt werden können [1].

Ohne Stühle kommt der Zeitungstanz aus (Vorschlag ohne Quelle). Auf dem Boden liegen Zeitungsbögen, und beim Musikstopp muss jeder auf einem Bogen stehen. Nach jeder Runde faltet ihr die Bögen kleiner oder nehmt einen weg. Das spart Stühle und klappt auch auf engem Raum. Papier rutscht auf glattem Boden leicht weg, spielt deshalb auf Teppich oder rutschfestem Untergrund. Zum Schluss balancieren die letzten beiden oft gemeinsam auf einem Stück Papier, kaum größer als eine Handfläche.

Varianten mit Ausscheiden

Beim Stuhltanz mit Paaren besetzt immer ein Paar einen Stuhl, eine Person sitzt dabei auf dem Schoß der anderen [1]. Für kleine Kinder lassen sich die Stühle durch Sitzkissen auf dem Boden ersetzen. Wer ausscheidet, kann statt einfach zuzuschauen eine kleine Aufgabe erfüllen, etwa einen Witz erzählen oder ein Lied anstimmen.

Verwandt ist auch Obstsalat. Alle bekommen Obstnamen, eine Person steht in der Mitte und ruft Obstsorten auf. Wer gerufen wird, muss den Platz wechseln. Wer dreimal in der Mitte stand, scheidet als "faules Obst" aus [1].

Woher der Name kommt

Woher der Name "Reise nach Jerusalem" stammt, ist ungeklärt. Eine Vermutung führt ihn auf die Reisen nach Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge zurück [1]. In Ostdeutschland heißt das Spiel auch Stuhltanz, Stuhlpolonaise oder Stuhlpolka, in Österreich und der Schweiz Sesseltanz [1]. Im Englischen und in vielen anderen Sprachen trägt es sinngemäß den Namen "Musikalische Stühle", in Schweden "Stürmische See" [1].

Eine ähnliche Idee beschreibt schon das Strategikon, ein byzantinisches Militärhandbuch aus dem 6. Jahrhundert, das Kaiser Maurikios zugeschrieben wird. Auf ein Trompetensignal mussten alle Soldaten sofort ihren Schlafplatz aufsuchen. Spione fielen auf, weil sie in einem fremden Zelt unterkamen oder draußen blieben [1]. Im ersten Asterix-Band wird das Spiel in der deutschen Übersetzung zur "Reise nach Rom" [1].

Wie groß eine Runde werden kann, zeigt ein Rekord aus Singapur. Am 05.08.1989 spielten an der Anglo-Chinese School 8.238 Menschen gleichzeitig. Nach dreieinhalb Stunden saß ein 15-Jähriger auf dem letzten Stuhl [2].

Weitere Spiele für die Feier

Nach dem Stuhltanz passt etwas Ruhigeres wie Stille Post. Bewegung mit Suchen verbindet die Schnitzeljagd. Einen ganzen Nachmittag für Kinder planst du mit den Spielen für den Kindergeburtstag, und für kleine Preise am Ende hilft die Seite Geschenke für Kinder.

  1. Reise nach Jerusalem. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Largest game of musical chairs (single venue). Guinness World Records. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.