Kinderspiele für drinnen und draußenRatgeber
Ich sehe was, was du nicht siehst: Regeln und Varianten
Einer sucht sich heimlich einen Gegenstand in der Umgebung aus und sagt: "Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ...", gefolgt von einem Hinweis wie einer Farbe. Die anderen raten, bis jemand den Gegenstand findet. Wer richtig rät, darf als Nächstes etwas aussuchen.

"Ich sehe was, was du nicht siehst" ist ein Ratespiel ohne Material [1]. Ihr braucht nur mindestens zwei Leute und eine Umgebung mit genug Dingen zum Anschauen [2]. Deshalb klappt es im Wartezimmer, beim Spaziergang oder auf langen Fahrten. Der Spruch ist so bekannt, dass er auch als Redewendung und als Titel von Büchern und Liedern verbreitet ist [1].
Die Grundregeln
Die Spieler wechseln sich mit dem Aussuchen ab [1]. Wer an der Reihe ist, wählt still einen Gegenstand, den alle sehen können, und beschreibt ihn mit einem Satz. Er beginnt mit der festen Formel "Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist ..." [1]. Danach nennt er eine Eigenschaft, meistens die Farbe: "... und das ist rot."

Die anderen raten reihum oder durcheinander. Kommt niemand drauf, ergänzt der Spieler weitere Eigenschaften, bis jemand den Gegenstand errät [1]. Wer richtig geraten hat, darf in der Regel als Nächstes etwas aussuchen [1].
Was als Fairness gilt
Das Spiel funktioniert nur, wenn sich alle an zwei Punkte halten. Den gewählten Gegenstand darf man nicht heimlich wechseln, das Spiel beruht auf Vertrauen [2]. Üblich ist außerdem, dass der Gegenstand für alle sichtbar bleibt, solange geraten wird (ohne Quelle). Im Auto können die Spieler vorher abmachen, dass der Gegenstand im Blick bleiben muss oder dass nur Dinge im Wagen oder nur Dinge draußen zählen [2].
Bei jüngeren Kindern ist es oft einfacher, das Aussuchen in fester Reihenfolge weiterzugeben [2]. So kommt auch das Kind an die Reihe, das nie als Erstes richtig rät.
Varianten für verschiedene Altersstufen
Der Hinweis nach der Formel lässt sich so wählen, dass er zum Alter der Mitspieler passt. Im deutschen Sprachraum wird meist die Farbe genannt (Beobachtung ohne Quelle). Im englischen Original "I spy with my little eye something beginning with ..." nennt man dagegen meist den Anfangsbuchstaben [2].
Farben und Formen für Kleine
Mit der Farbe als Hinweis können schon Kinder mitspielen, die Farben benennen können, aber noch keine Buchstaben kennen. Statt der Farbe geht auch eine Form, etwa "und das ist rund" [2]. Für die Kleinsten eignen sich große, auffällige Dinge im selben Raum: ein Ball, eine Tür, eine Lampe. Wer noch unsicher ist, darf beim Raten auf Dinge zeigen statt sie zu benennen (Vorschlag ohne Quelle).
Anfangsbuchstaben und Laute für Schulkinder
Mit dem Anfangsbuchstaben wird das Spiel schwerer: "... und das fängt mit B an." Für Kinder, die gerade lesen lernen, ist der Anfangslaut oft leichter als der Buchstabenname. Man sagt dann "fängt mit fff an" statt "mit F" [2]. Bei Wörtern wie "Vogel" oder "Fahrrad" merken die Kinder dabei schnell, dass ein Laut unterschiedlich geschrieben werden kann (Beobachtung ohne Quelle).
Weitere Hinweisformen
Neben Farbe und Buchstabe gibt es weitere Arten, Hinweise zu geben [2]:
- Ja-Nein-Fragen: Die Rater fragen "Ist es aus Holz?" oder "Kann man es essen?", und der Spieler antwortet nur mit Ja oder Nein.
- Heiß und kalt: Der Spieler sagt "heiß", wenn jemand mit dem Blick oder Zeigefinger nahe dran ist, und "kalt", wenn er weit weg liegt.
- Klingt wie: Der Hinweis ist ein Wort, das ähnlich klingt wie der gesuchte Gegenstand, etwa "klingt wie Maus" für Haus.
- Beschreibung: Statt eines einzelnen Merkmals gibt es einen kurzen Satz, zum Beispiel "damit kann man schreiben".
Abwandlungen mit anderen Sinnen
Das Grundmuster aus Aussuchen, Hinweis und Raten lässt sich auf andere Sinne übertragen. Die folgenden Abwandlungen sind eigene Vorschläge ohne Quelle. Sie eignen sich, wenn die Runde das Original schon gut kennt oder wenn es draußen dunkel wird.
- Ich höre was, was du nicht hörst: Alle schließen kurz die Augen und lauschen. Einer sucht sich ein Geräusch aus, etwa das Ticken der Heizung, einen Vogel oder den Blinker, und beschreibt es mit einem Hinweis wie "und das ist leise" oder "und das klingt hell".
- Ich fühle was, was du nicht fühlst: Einer legt die Hand auf eine Oberfläche in Reichweite und nennt eine Eigenschaft wie "weich", "kalt" oder "rau". Das klappt gut an einem Tisch mit verschiedenen Dingen darauf.
- Ich rieche was: Draußen im Garten, in der Küche oder auf dem Markt nennt einer einen Geruch, die anderen raten die Quelle. Im Haushalt nur mit ungefährlichen Dingen wie Kräutern oder Obst spielen.
Für Kinder, die gern zeichnen, gibt es eine ruhige Fassung am Tisch (Vorschlag ohne Quelle). Einer sucht sich etwas im Raum aus und zeichnet es langsam Strich für Strich, die anderen raten, was entsteht. Wer das mag, findet mehr Ideen beim Montagsmaler.
Mit Punkten und Teams spielen
Für ältere Kinder und Erwachsene darf das Spiel einen Wettbewerb haben. Auch diese Regeln sind eigene Vorschläge ohne Quelle.
Jeder Hinweis kostet einen Punkt. Wer den Gegenstand nach dem ersten Hinweis errät, bekommt drei Punkte, nach dem zweiten zwei, danach nur noch einen. Errät niemand den Gegenstand nach fünf Hinweisen, bekommt der Spieler, der ihn ausgesucht hat, zwei Punkte. So lohnt es sich, schwierige, aber faire Dinge zu wählen. Wer etwas Unsichtbares oder Winziges aussucht, verliert seinen Punkt.
In größeren Gruppen bildet ihr zwei Teams. Ein Team sucht gemeinsam einen Gegenstand aus und flüstert ihn der Spielleitung zu, damit niemand nachträglich wechselt. Das andere Team berät sich vor jedem Rateversuch. Nach einer festgelegten Zahl von Runden gewinnt das Team mit den meisten Punkten. Diese Form passt gut in ein Klassenzimmer, einen Gruppenraum oder an einen langen Tisch beim Familienfest.
Im Auto und unterwegs
Auf langen Fahrten gehört das Spiel zu den Klassikern. Der ADAC nennt es in seinen Tipps für Autofahrten mit Kindern als Ratespiel für Groß und Klein [3]. In einer britischen Umfrage des Versicherers Direct Line gaben 58 Prozent der Familien an, das Spiel zu spielen [2]. Es gibt aber auch die Ansicht, dass es in einem fahrenden Auto schlecht funktioniert, weil viele Dinge schnell aus dem Blick verschwinden [2].

Damit es trotzdem klappt, wählt ihr am besten Dinge, die lange sichtbar bleiben. Dazu zählen Gegenstände im Wagen, der Himmel, Berge am Horizont oder ein Lastwagen, hinter dem ihr herfahrt (Vorschlag ohne Quelle). Kühe auf einer Weide sind nach wenigen Sekunden vorbei und taugen nur, wenn alle sofort raten. Wer am Steuer sitzt, spielt höchstens als Ratender mit und sucht sich nichts aus. Sonst schaut er zu lange vom Verkehr weg (eigene Empfehlung ohne Quelle). Weitere Ideen für unterwegs stehen auf der Seite Spiele für die Autofahrt.
Was das Spiel fördert
Mary Tomczyk schreibt ihm zu, dass es Beobachtung, das Wissen über Farben, Formen und Oberflächen sowie logisches Denken schult und den Wortschatz erweitert [2]. In einem deutschen Fachbuch wird es auch als einfache Achtsamkeitsübung beschrieben, die sich etwa in der Psychotherapie einsetzen lässt [1].

In der Familie bleibt es ein Zeitvertreib, für den man nichts einpacken muss.
Woher das Spiel kommt
Eine genaue Herkunft ist nicht belegt. Für die englische Fassung "I spy" gibt es schriftliche Spuren seit dem frühen 20. Jahrhundert [2]. Ein Handbuch für organisierte Spiele beschrieb 1922 ein ähnliches Spiel unter dem Namen "I See" [2]. Das Oxford English Dictionary führt als ältesten Beleg für das Ratespiel einen Roman von Rosamond Lehmann aus dem Jahr 1946 [2]. Ein verwandtes Kinderspiel namens "Hy Spy" ist nach demselben Wörterbuch schon 1777 belegt [2].
Der deutsche Titel kommt in zwei Formen vor, "was du nicht siehst" und "das du nicht siehst" [1].
Ähnliche Ratespiele
Wer gern rät, kann zu anderen Spielen ohne Material wechseln. Beim Teekesselchen beschreiben zwei Spieler je eine Bedeutung desselben Wortes, etwa "Bank" als Sitzmöbel und als Geldinstitut, und die anderen raten das Wort [4]. Mehr Bewegung bringt die Blinde Kuh, bei der die Augen verbunden sind. Ein weiteres Ratespiel für Gruppen ist Wer bin ich?, und für Kinder, die gern Bilder merken, eignet sich Memory. Für Ausflüge mit dem Rad gibt es Anregungen auf der Seite Elberadweg mit Kindern.
- Ich sehe was, was du nicht siehst. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- I spy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Reisen mit Kindern: Tipps für eine entspannte Autofahrt. ADAC e.V.. Stand 10.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Teekesselchen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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