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Wichteln: Regeln, Lose ziehen und beliebte Varianten

Beim Wichteln bestimmt eine Gruppe per Zufall, wer wem ein meist kleines Geschenk besorgt, oft vor Weihnachten. Meist zieht jeder ein Los mit einem Namen, und Schenker und Beschenkter bleiben oft unbekannt. Varianten wie Schrottwichteln oder Räuberwichteln verteilen die Geschenke spielerisch erst bei der Feier.

Mehrere in rotes und grünes Papier gewickelte Geschenke auf einem Holztisch, daneben gefaltete Zettel, Tannenzweige und eine Kerze
Bild: KI-generiert

Wichteln heißt nach dem Duden, in der Vorweihnachtszeit innerhalb einer Gruppe kleine Geschenke zu verteilen. Die Geschenke bringen die Teilnehmer selbst mit, und sie werden nach einem bestimmten System unter ihnen verteilt [1]. Das Wörterbuch DWDS beschreibt es genauer: Per Zufall wird bestimmt, wer für wen ein meist kleines Weihnachtsgeschenk besorgt. Übergeben wird oft bei einer Feier, und Schenker und Beschenkter kennen den Namen des anderen häufig nicht [2]. Das Wort ist umgangssprachlich und vor allem in Deutschland verbreitet, gelegentlich auch in Österreich [1, 2]. Diese Seite erklärt Ablauf und Varianten. Ideen, was du verschenken kannst, stehen auf Wichteln: Regeln und Ideen.

Begriff und Herkunft

Ein Wichtel ist ein Zwerg oder Kobold, ähnlich einem Heinzelmännchen [3]. Das Wort ist eine Verkleinerungsform zu Wicht. Schon im Althochdeutschen des 9. Jahrhunderts bezeichnete "wiht" ein Wesen, ein Ding oder einen Dämon, die genaue Herkunft ist ungeklärt [3]. Das Bild vom heimlichen Helfer passt zum Spiel: Der Schenker bleibt im Verborgenen wie ein Wichtel.

Im Norden heißt derselbe Brauch oft Julklapp. Das DWDS führt das Wort als Synonym zu Wichteln, besonders in Nordost- und Nordwestdeutschland [4]. Julklapp kam im 18. Jahrhundert aus dem Schwedischen ins Niederdeutsche. Jul ist das Weihnachtsfest, klappa heißt klopfen [4]. Ursprünglich meint Julklapp einen Brauch vor allem in Nordostdeutschland: Ein unbekannter Schenker klopft laut an die Tür und wirft ein Päckchen ins Haus oder ins Zimmer [4]. Belege im DWDS nennen ihn für das 19. Jahrhundert in Norddeutschland und erwähnen ein vorweihnachtliches Julklapp auch in Dänemark [4].

Klassisches Wichteln Schritt für Schritt

Ein Beleg im DWDS bringt den Kern auf den Punkt: Jeder zieht ein Los mit einem Namen und beschenkt diese Person [2]. Gewichtelt wird meistens in größeren Gruppen, etwa in der Schulklasse, im Verein, im Büro oder in der Familie [2, 4]. So läuft eine Runde üblicherweise ab, eine feste Regel gibt es dafür nicht:

Eine Hand zieht einen gefalteten Zettel aus einer gestrickten Wollmütze über einem Holztisch
Bild: KI-generiert
  1. Teilnehmer und Termin festlegen: Wer macht mit, und wann werden die Geschenke übergeben?
  2. Betrag absprechen: Eine Obergrenze sorgt dafür, dass die Geschenke ungefähr gleich viel wert sind. Eine Einladung aus Kiel bat zum Beispiel um ein kleines Präsent im Wert von fünf Euro [4].
  3. Lose ziehen: Jeder Name kommt auf einen Zettel, die Zettel werden gefaltet und gemischt, dann zieht jeder einen.
  4. Geheim halten: Niemand verrät, wen er gezogen hat.
  5. Besorgen und verpacken: Jeder kauft, bastelt oder backt ein Geschenk für die gezogene Person und schreibt den Namen des Empfängers auf das Päckchen.
  6. Übergabe: Bei der Feier liegen alle Geschenke zusammen und werden verteilt. Ob die Schenker sich danach zu erkennen geben, entscheidet ihr vorher.

Lose ziehen ohne sich selbst

Das häufigste Problem beim Losen: Jemand zieht seinen eigenen Namen. Das passiert öfter, als man denkt. Mathematisch ist eine Verteilung, bei der niemand seinen eigenen Zettel zieht, eine fixpunktfreie Permutation, englisch derangement [5]. Bei 6 Personen gibt es 720 mögliche Verteilungen der Zettel, und nur bei 265 davon zieht niemand sich selbst [5]. Mit wachsender Gruppe nähert sich dieser Anteil dem Wert 1 geteilt durch die eulersche Zahl e, also etwa 37 Prozent [5]. In knapp zwei von drei Ziehungen erwischt also mindestens eine Person ihren eigenen Namen.

Zieht jemand sich selbst, legt er den Zettel zurück und zieht neu. Bleibt am Ende nur noch der eigene Zettel übrig, hilft nur ein kompletter Neustart. Sicherer ist ein Kreis: Mischt die Namenszettel und legt sie verdeckt in eine Reihe. Jeder beschenkt die Person, deren Name in der Reihe nach seinem eigenen kommt, die Letzte beschenkt die Erste. Damit das geheim bleibt, braucht ihr eine Person, die nicht mitwichtelt und die Zuordnung verteilt, oder ein Losprogramm, das jedem nur seinen eigenen Namen nennt.

Wenn jemand absagt

Fällt nach dem Losen jemand aus, gibt es eine Lücke: Eine Person bekommt kein Geschenk, und das Geschenk für den Ausfallenden ist übrig. Die einfachste Lösung ist ein Tausch über die Spielleitung. Der Schenker des Ausfallenden beschenkt stattdessen die Person, die der Ausfallende gezogen hatte. Das geht nur, wenn die beiden einander nicht gezogen hatten, sonst wird neu gelost. So bleibt der Kreis geschlossen, ohne dass neu gelost werden muss. Wer ohne Spielleitung wichtelt, sollte bei einer frühen Absage lieber komplett neu losen als lange zu verhandeln, wer wen hat.

Beliebte Varianten

Neben dem klassischen Losen gibt es Spielformen, bei denen die Geschenke erst bei der Feier verteilt werden. Einheitliche Regeln dafür gibt es nicht, die folgenden Beschreibungen sind verbreitete Hausregeln, die jede Gruppe anpasst. Dann bringt jeder ein neutral verpacktes Geschenk ohne Namen mit, und alle Päckchen kommen in die Mitte.

Ein weißer Würfel liegt zwischen verpackten Geschenken in der Tischmitte, von den Seiten greifen Hände danach
Bild: KI-generiert

Schrottwichteln

Der Duden beschreibt Schrottwichteln als humorvoll gemeintes Wichteln eigentlich nutz- und wertloser, oft gebrauchter Gegenstände [6]. Jeder sucht zu Hause etwas, das er loswerden möchte: eine skurrile Vase, ein doppeltes Geschenk vom letzten Jahr, ein Andenken ohne Erinnerung. Gekauft wird nichts. Der Spaß entsteht beim Auspacken, denn niemand weiß, was ihn erwartet.

Räuberwichteln

Beim Räuberwichteln ist Tauschen erlaubt. Ein Spieler beginnt und packt ein Päckchen aus der Mitte aus. Der Nächste entscheidet: Er nimmt ein neues Päckchen aus der Mitte oder nimmt einem Mitspieler dessen bereits ausgepacktes Geschenk weg. Wer bestohlen wurde, holt sich ein neues Päckchen oder stiehlt selbst weiter. Damit die Runde endet, legt ihr vorher fest, wie oft ein Geschenk den Besitzer wechseln darf. Am Ende behält jeder, was er gerade in der Hand hat.

Würfelwichteln

Beim Würfelwichteln entscheidet der Würfel, wohin die Geschenke wandern. Ein Beleg im DWDS beschreibt Julklapp als Brauch, bei dem mitgebrachte Geschenke in einem Würfelspiel weitergegeben werden [4]. Reihum wird gewürfelt, und jede Augenzahl hat eine Bedeutung, die ihr vorher festlegt. Mögliche Regeln: Bei einer Sechs nimmst du ein Päckchen aus der Mitte, bei einer Eins tauschst du mit einem Mitspieler, bei einer Drei wandern alle Geschenke eine Position im Uhrzeigersinn weiter. Gespielt wird eine feste Zahl von Runden oder bis eine Eieruhr klingelt. Ohne Würfel hilft der Würfel online.

Wichteln mit Motto und virtuell

Ein Motto gibt allen eine Richtung, etwa "alles selbst gemacht", "alles in Rot" oder "etwas zum Lesen". Das macht die Auswahl leichter und die Bescherung abwechslungsreicher. Auch auf Distanz lässt sich wichteln: Eine Zeitung berichtete 2020, dass in heimischen Unternehmen virtuell gewichtelt werde [2]. Die Geschenke kommen dann per Post, und ausgepackt wird gemeinsam im Videoanruf.

Die Bescherung gestalten

Beim klassischen Wichteln stehen die Namen der Empfänger auf den Päckchen. Wie ihr sie verteilt, macht einen großen Teil der Stimmung aus. Am ruhigsten ist es, wenn jeder nacheinander sein Päckchen bekommt und vor allen auspackt. So sieht jeder jedes Geschenk, und niemand geht im Trubel unter.

Spannender wird es mit einer Raterunde. Nach dem Auspacken darf der Beschenkte einmal tippen, von wem das Geschenk kommt. Liegt er richtig, gibt sich der Schenker zu erkennen, sonst bleibt das Geheimnis bis zum Schluss gewahrt. Manche Gruppen hängen an jedes Päckchen einen kurzen Reim oder ein Rätsel, das auf den Empfänger oder das Geschenk anspielt. Wer lieber ganz anonym bleibt, legt die Päckchen vorher unbeobachtet ab, so wie beim alten Julklapp der unbekannte Schenker an der Tür.

Wichteln organisieren

Je größer die Gruppe, desto wichtiger ist eine Person, die den Überblick behält. Sie sammelt die Zusagen, legt Betrag und Termin fest und erinnert eine Woche vorher an die Geschenke. Für Büro und Verein lohnt sich eine Liste mit Dingen, die jemand nicht mag oder nicht verträgt, zum Beispiel Nüsse oder Alkohol, damit niemand ein Geschenk bekommt, mit dem er nichts anfangen kann.

Ein festlich gedeckter Tisch im Pausenraum mit einem kleinen Stapel verpackter Geschenke und Tannenzweigen
Bild: KI-generiert

Lost am besten einige Wochen vor dem Termin, damit alle genug Zeit zum Besorgen haben. In Gruppen, die sich kaum kennen, hilft ein kleiner Wunschzettel: Jeder schreibt beim Losen ein paar Stichworte zu Hobbys oder Vorlieben auf, und der Zettel wandert mit dem Namen zum Schenker. Das nimmt die Sorge, völlig danebenzuliegen, und das Geheimnis bleibt trotzdem gewahrt. Wer gezogen wurde, erfährt erst bei der Bescherung, wer an ihn gedacht hat.

In der Schulklasse sollte der Betrag für alle Familien machbar sein. Selbstgebastelte Geschenke sind eine gute Alternative, wenn Kinder kein Geld ausgeben sollen. Wer kleine Kinder dabeihat, die noch nicht lesen, kann statt Namen kleine Fotos oder Zeichnungen auf die Lose kleben. Anregungen für günstige Kleinigkeiten stehen unter Kleine Geschenke bis 10 Euro und unter Selbstgemachte Geschenke. Wer nach der Bescherung weiterspielen will, findet Ideen im Bereich Gruppen- und Partyspiele und unter Spieleabend planen.

  1. wichteln. Duden online, Cornelsen Verlag. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. wichteln. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Wichtel. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), mit Etymologie nach Wolfgang Pfeifer. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Julklapp. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), mit Etymologie nach Wolfgang Pfeifer. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Derangement (Eric W. Weisstein). Wolfram MathWorld. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Schrottwichteln. Duden online, Cornelsen Verlag. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.